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Afrika-Austausch

In Tansania ein Pfarrhaus mit selbstgebrannten Ziegeln hochgezogen (mit Video)

Anpacken beim Hausbau — zehn junge Erwachsene aus dem Rhein-Lahn-Kreis besuchen die Partnergemeinde in Tansania.

Anpacken beim Hausbau — zehn junge Erwachsene aus dem Rhein-Lahn-Kreis besuchen die Partnergemeinde in Tansania.

„Jina langu Sarah. Nina miaka ishirini na moja.“ Sarah Fischer aus Eppenrod stellt sich ihren Gastgebern auf Suaheli vor. Die 21-Jährige ist mit neun anderen jungen Menschen aus dem Dekanat Nassauer Land nach Mabira in Tansania gereist. Drei Wochen lang sind sie Menschen begegnet, haben Gottesdienste besucht und mit Einheimischen ein neues Pfarrhaus erbaut.

Während des Gottesdienstes sitzen die deutschen Gäste auf bunten Plastikstühlen. Die restliche Kirchengemeinde sitzt größtenteils auf dem Boden. Nur die Kirchenältesten haben auf maroden Holzbänken Platz gefunden. Es sind auch sehr viele Kinder dabei. Die Gemeinde lacht oder klatscht, wenn sie die Gäste deutsch sprechen hört. „Es hilft sehr, einige Worte in der Landessprache zu kennen, um mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen, zumal viele Menschen in Mabira nur wenig oder gar kein Englisch sprechen“, sagt Sarah. Der Gottesdienst dauert gut zwei Stunden, es wird gebetet und gesungen, wie in Kirchen des Nassauer Landes auch. Allerdings kommen hier knapp 200 Menschen in die Kirche, viel mehr als in Deutschland. Viele von ihnen haben einen weiten und beschwerlichen Weg auf sich genommen, um dabei zu sein.

„Die Kirche bietet den Menschen hier Gemeinschaft und Struktur“

„Religion und Kirche haben einen hohen Stellenwert in Mabira. Ich habe bei den Menschen einen tiefen Glauben gespürt, der von großem Vertrauen zeugt“, sagt Jonas van Baajen aus Cramberg. „Die Kirche hier macht es einfacher, bietet Gemeinschaft und Struktur – die Menschen kommen, aber sicher auch aus Mangel an Alternativen.“

Zum Ende jedes Gottesdienstes wird die Kollekte eingesammelt, neben Geld bieten einige Gemeindemitglieder Erzeugnisse aus der Landwirtschaft an: Kochbananen, Bohnen, Erdnüsse, Maracujas, auch mal ein Huhn oder eine Ziege. Diese werden dann nach dem Gottesdienst vor der Kirche versteigert. Die Gruppe aus dem Nassauer Land erwirbt Zuckerrohr für die Kinder der Gemeinde – die knabbern später glücklich an der süßen Pflanze.

Mit einheimischen Jugendlichen neues Pfarrhaus aufgebaut

Eine Woche zuvor wurde noch emsig gearbeitet. Die jungen Erwachsenen haben gemeinsam mit Jugendlichen aus Tansania ein Pfarrhaus errichtet, selbstgebrannte Ziegel geschleppt, Zement gemischt und Stein auf Stein gesetzt. Der Pfarrer in Mabira, Jerryson Mambo, war begeistert von den tüchtigen jungen Deutschen. Der Arbeitseinsatz dient auch der Begegnung der jungen Menschen, um sich anzufreunden und sich auszutauschen.

„Die Herausforderungen der tansanischen Jugendlichen sind anders als die der Deutschen“, sagt Torsten Knüppel, Dekanatsjugendreferent im Nassauer Land. „Auch wenn man eine gute Ausbildung genossen hat, ist eine Anstellung nicht sicher. Die Zukunft junger Menschen ist hier geprägt von Unbestimmtheit, nichts ist garantiert, auch deswegen wollen viele bei der Kirche arbeiten.“ Denn die Kirche bietet ihnen Sicherheit und Zukunft – eine Perspektive, die Staat und Wirtschaft ihnen nicht geben können.

Bei christlichen und anderen Festen viele spannende Eindrücke gesammelt

Glaube und Kirche sind ein wichtiger Schlüssel, um die Menschen in Mabira zu verstehen. Die Jugendgruppe nimmt an wichtigen Lebensstationen der dort lebenden Christen teil: Sie sehen Taufen, besuchen die Hochzeit eines Freundes, der 2015 Gast in Deutschland war und sind Ehrengäste auf der Beerdigung eines 99-jährigen, der nur wenige Meter von seinem ehemaligen Wohnhaus entfernt bestattet wird. Außerdem besuchen sie Bananenplantagen, einen Frauenchor-Wettbewerb, Schulen, ein Krankenhaus und wohnen einem Volksfest, dem Uhuru Torch, bei, mit dem an die Unabhängigkeit Tansanias erinnert wird.

„Für mein Leben nehme ich mit, dass die Menschen in Tansania mit dem Wenigen, was sie haben, sehr glücklich sein können und ein Leben führen, das wirklich lebenswert ist“, stellt der 22-jährige Carl Henrich aus Cramberg fest. Die 18-jährige Stephanie Kurz aus Nassau sagt: „Die Reise hat mich fremden Menschen gegenüber offener gemacht.“ Und auch bei ihr bleibt vor allem eine Einsicht: Es braucht nicht viel, um glücklich zu sein.

Video-Bericht über den Austausch bei Youtube


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